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Die Fleischindustrie

Große Nachfrage, großes Leid

 

Weißt du wieviel Tiere jedes Jahr in Deutschland geschlachtet werden?

Bevor du weiter liest kannst du ja einfach mal schätzen.

 

Es sind unfassbare 771 Millionen Tiere (offizielle Zahlen statistisches Bundesamt) die in Deutschland 2018 geschlachtet wurden. Das liest sich schnell, wenn man die Zahl aber mal einen Moment verinnerlicht und sich versucht bildlich vorzustellen, ist das echt schockierend. 

Bild: "Kalb" von superscheeli auf flickr, (CC BY-SA 2.0)
Bild: "Kalb" von superscheeli auf flickr, (CC BY-SA 2.0)

Die größte Schlachtmenge, machen über 56 Mio. Schweine aus, die über 5 Mio. Tonnen Fleisch ergaben.

Zahlenmäßig weit an der Spitze ist Geflügel.

710 Mio. Tiere mussten ihr Leben für rund 1,5 Mio. Tonnen Fleisch lassen.

Davon sind über 622 Mio. “Masthühner” um rund 1 Mio. Tonnen Fleisch zu produzieren. Legehennen, die nach Ihrer Aussortierung aus der Eierindustrie als Suppenhuhn enden, machten über 34 Mio. Tiere aus.

Es wurden knapp 1 Millionen Tonnen Fleisch aus über 3 Millionen Rindern hergestellt.

Außerdem wurden 17 Mio. Enten, 35 Mio. Puten und 634.000 Gänse geschlachtet.

 

Die restlichen etwas unter 2 Mio. Tiere machen Pferde, Schafe, Lämmer und Ziegen aus.

 

In den 771 Millionen Tieren sind weder Fische, Kaninchen und wirbellose Tiere enthalten, da sie in den offiziellen Statistiken nicht erfasst werden...

 

Der Biofleischanteil fällt wie folgt sehr gering aus: Huhn 0,9% (Eier 7,6% ), Schwein 0,4%, Rind 3,3% (Milch 2,2%).

 

Diese enorme Menge an Tieren ist schon echt erschreckend.

Vor allem wenn man bedenkt, dass in Deutschland dagegen ja nur knapp 83 Mio. Menschen wohnen.

 

Natürlich spielt aber auch Export, als auch der Import eine Rolle.

Es wurde 779.000 t Schlachtgewicht (SG) lebender Tiere importiert und 546.000 t SG exportiert.

An Fleisch, Fleischwaren und Konserven wurden 4,3 Mio. t SG exportiert und 2,9 Mio. t importiert. 

Leiden für die Tonne

Der pro Kopf Verbrauch an Fleisch steigt immer weiter an.

1950 waren es noch 27,3 kg pro Kopf. Im Jahr 2018 hat sich die Menge auf 88,6 kg pro Kopf gesteigert.

Diese (viel) zu große Menge muss nun mal bedient werden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. 

Doch wieviel von den Tieren wird tatsächlich gegessen?

Hier mal das Beispiel Schwein:

60% des Fleisches geht in den direkten Verzehr. Davon landen 9 – 15% wieder in den Müll.

Zuerst wird das Fleisch subventioniert, dann landet es in der Mülltonne.

Eine milliardenschwere Verschwendung mit der Folge, dass rund 20 Millionen Schweine in Deutschland pro Jahr völlig umsonst gezüchtet, gemästet und geschlachtet werden.

40% des Fleisches wird als Kraftstoff, Tierfutter, Dünger, sowie für chem. Produkte verwendet.

 

Der Preis der Tiere

Die zur Fleischgewinnung gehaltenen Nutztiere werden in Deutschland in immer weniger Betrieben gehalten, die dafür umso größer sind.

Ein Großteil der deutschen Viehbestände steht in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Auch die Schlachtbranche wird durch wenige marktbestimmende Unternehmen dominiert.

Doch was bedeutet das für die Tiere?

 

Bild: "Huehnermast- 1951" von Stefan Bröckling auf flickr,  (CC BY-NC-SA 2.0)
Bild: "Huehnermast- 1951" von Stefan Bröckling auf flickr, (CC BY-NC-SA 2.0)

 MASTHÜHNER

 

Die Fleischlieferanten von heute sind Mast-Hybridhühner, die speziell auf schnelles und großes Fleisch-Ansetzen gezüchtet worden sind.

Circa 10 Wochen braucht ein Bio-Masthühnchen bis es sein Schlachtgewicht erreicht hat.

Ein konventionelles nimmt noch schneller an Masse zu:

Mit gerade einmal fünf Wochen wiegt es rund zwei Kilo.

 

Das bedeutet: Pro Tag setzt es 70 Gramm Fleisch an.

50 % seines Körpergewichts als Küken.

Diese rasante Gewichtszunahme birgt enorme Gesundheitsprobleme für das Tier: Es ist schlichtweg zu dick.

Es kommt zu Störungen des Bewegungsapparates bis hin zur Bewegungsunfähigkeit.

Sein Muskelfleisch wächst schneller als die Knochen, die unter der Turbomast häufig kapitulieren.

Brustblasen, Brüche, Fußballenentzündungen und Pickattacken bereiten vielen Dauerschmerzen.

Auch Herz-Kreislauf Erkrankungen sind aufgrund der Lebensbedingungen häufig.

 

Kein anderes Lebewesen wird so industriell gezüchtet, gemästet und verwertet wie Hühner bzw. Geflügel allgemein.

Tiere sind für diese Wachstumsindustrie Rohstoffe, die möglichst fix verarbeitet und zügig ins Regal müssen.

 

“Produziert” (anders kann man es eigentlich nicht nennen) werden die Hühner in sogenannten Brütereien.

Ab Schlupf wird schon auf größt mögliche Gewinnerzielung geachtet. Schwache Küken, diese die nicht fit genug erscheinen oder diejenigen die zu Lange für den Schlupf brauchen landen direkt auf dem Förderband das am Häcksler endet... 

 

SCHWEINE

 

 Seit 1995 haben sich 90% der Bauernhöfe von ihren Schweinen verabschiedet. Trotzdem hat sich zeitgleich die Menge an Schweinefleisch die produziert wurde, fast um die Hälfte verdoppelt.

Heißt viel weniger Bauern produzieren viel mehr Schweinefleisch.  

Der höhere Schweinebestand der Bauern hat natürlich einmal die offensichtlichste Folge: zu wenig Platz. Die Mindestplatzanforderung heutzutage sieht vor, dass sich 3 Schweine die Fläche in der Größe eines Einzelbettes teilen.

 

In der Schweineaufzucht verbringen die Sauen die erste 4 Wochen ihrer Schwangerschaft und während der Säugezeit in engen Ganzkörperkörben. Das heißt für sie, insgesamt 5 Monate im Jahr ohne Bewegung und die Möglichkeit sich drehen können.

 

Pia Kraftfutter hat die Zustände in einem deutschen Schweinestall auf ihrem YouTube - Kanal dokumentiert: 

 

RINDER

 

Ausgediente Milchkühe enden meist nach 5 Jahren beim Schlachter. Ihrem Nachwuchs, der für die Milchproduktion immer wieder künstlich herbei geführt wird, ereilt dieses Schicksal schon viel früher.

Vor allem Bullenkälber gehen entweder direkt zum Schlachter oder in die Mast.

Es gibt ebenfalls besondere "Fleischrassen" die darauf gezüchtet sind schnell, viel an Masse zu gewinnen.

Die Intensivmast ausgewachsener Mastrinder dauert weniger als 400 Tage, wobei die Tiere in der Regel ein Mastendgewicht von 680 bis 750 kg erreichen. Während weibliche Mastrinder durchschnittlich 1 kg pro Tag zunehmen, wächst die Körpermasse von Bullen täglich sogar bis zu 1,5 kg.

Eine Weide sieht der Großteil der Mastrinder in ihrem Leben nicht...

Verbesserung durchs Tierwohllabel?

 

Halten wir es kurz. Das Tierwohllabel bringt keine wirkliche Verbesserung für die Tiere.

Schauen wir uns hier die Grafik für das Beispiel Schwein an:

Bild: theVactory.de
Bild: theVactory.de

 

Unserer Meinung nach Augenwischerei. Wenn man sich nicht informiert was die verschiedenen Stufen wirklich bedeuten, könnte man wohl ernsthaft glauben dass den Tieren eine enorme Verbesserung widerfährt. Der Name des Labels grenzt schon an Verbrauchertäuschung.

 

Und im Endeffekt ist es doch so, es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren, nur von toten...

Dabei gibt es so viel tolle Alternativen, die es Wert sind, sie zumindest mal auszuprobieren.

 

SANDRA

 

 

Quellen:

https://www.boell.de/de/isswas?dimension1=ds_iss_was  

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2018

https://www.bioland.de/im-fokus/hintergrund/detail/article/der-hahn-ist-tot.html  

https://de.wikipedia.org/wiki/Hybridhuhn 

 

 

 

 

 

 

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