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Die Milch macht's

Die wahre Seite der Milchindustrie

Enthält unbeauftragte Werbung

Image by hschmider on Pixabay
Image by hschmider on Pixabay

Wie stellst du dir das Leben einer Milchkuh vor?

Oft hat man das Bild einer glücklichen Kuh auf der Weide im Kopf, grasend zwischen ihrer Herde.

Das ist eben auch das Bild welches uns die Medien und Milchkonzerne suggerieren wollen.

Image ist alles und man muss ja die Vorstellung der schönen heilen Welt aufrechterhalten.

Mit einem Umsatz von 21,9 Milliarden € (2016) ist die Milchindustrie nun mal auch die größte 

Lebensmittelbranche in Deutschland.

Da hängen schon einige Interessen dran...

Wenn man aber hinterfragt, recherchiert und einen Blick hinter die Kulissen wirft, da sieht dann so ein Kuhleben

 alles andere als rosig aus.

2018 lebten in Deutschland rund 4,1 Millionen Milchkühe in 62.813 Betrieben, die meisten davon in Bayern und Niedersachsen (beide zusammen knapp 50% des gesamten Milchviehbestandes).

Doch wo sind die Tiere alle? Kannst du dich erinnern, wann du das letzte Mal Kühe auf der Weide hast grasen sehen? Heutzutage in den meisten Fällen eine Seltenheit.

 

Weniger als die Hälfte der Kühe haben Zugang zu Weiden. Das Problem ist offensichtlich: es fehlt an Platz und ausreichendem Weideland. Die restlichen Tiere, also über 2 Millionen Kühe, werden in reiner Stallhaltung gehalten. Hier gibt es 2 Varianten: den Laufstall – oder die Anbindehaltung.

 

Anbindehaltung

Image by franzl34 on Pixabay
Image by franzl34 on Pixabay

Über 25% der Kühe fristen ihr Dasein in der sogenannten Anbindehaltung.

Eigentlich mittlerweile durchs Tierschutzgesetz untersagt, machen gesetzliche Ausnahmeregelungen die Anbindehaltung immer noch möglich. Zumeist in kleineren Betrieben in Bayern.

 

Die intelligenten und sozialen Tiere sind dort in 1 x 2m großen Gittervorrichtung über einen Halsriemen angekettet.

Bedeutet das ganze Leben lang in eine Richtung gucken, ohne sich umdrehen und vernünftig Kontakt mit Artgenossen aufnehmen zu können.

Natürlicherweise verbringt eine Kuh 10 h am Tag mit grasen und legt sich dazwischen immer mal wieder zum wiederkäuen nieder.

Im Anbindestand fallen der Fress- und Liegeplatz räumlich zusammen, was dem Verhalten von Rindern zuwiderläuft.

Im Kopfbereich befinden sich der Futtertrog und eine Tränkanlage. Am hinteren Ende fließen die Exkremente über einen Mistgang oder durch einen Gitterrost in einen darunter liegenden Güllekanal.

Viele angebundene Kühe müssen mit ihren Hinterbeinen auf dem vollgekoteten Gitterrost oder Mistgang stehen, da sie zu groß für die veralteten Anbindestände sind.

Schmerzhafte Druckstellen und Geschwüre an den Klauen sind die Folge. Im Liegen befindet sich das Euter außerdem ständig in den Exkrementen. Diese Verschmutzung begünstigt langwierige und schmerzhafte Eutererkrankungen. 

 

Laufstallhaltung

Foto: Andreas Issleib / Flickr, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Foto: Andreas Issleib / Flickr, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Der mit 72 % größte Anteil der Milchkühe lebt in Laufstallhaltung.

Die Laufställe sind in Funktionsbereiche unterteilt:

Liegen, Laufen, Fressen und Melken.

Für jede Kuh wird etwa 3,5-4,0 m² Fläche berechnet.

Meist ist der gesamte Laufbereich mit Spaltenboden (damit Kot und Urin abfließen kann) ausgestattet. Dieser ist für die Kühe rutschig, sodass sie sich nur vorsichtig bewegen können.

Auch wenn Laufställe auf den ersten Blick großräumig wirken, sind sie für diese großen Tiere verhältnismäßig klein.

Dominante Kühe können die Durchgänge versperren, den rangniederen fehlen dann Ausweichmöglichkeiten. Die Bewegungsfreiheit ist außerdem auf die relativ schmalen Laufgänge beschränkt, deren Enge Aggressionen unter den Kühen begünstigen kann.  

Weidehaltung

 Ein Teil der Milchkühe, etwa 42%, dürfen auch mal den Stalltrakt verlassen und erhalten für durchschnittlich 5 Monate im Jahr Zugang zu Weideflächen.

Meist handelt es sich bei Rindern, die auf der Weide stehen, jedoch entweder um Fleischrinder oder junge Milchkühe vor ihrer ersten Kalbung.

Die Weidehaltung hat nicht nur für die Kühe offensichtliche Vorteile (Klauen und Gelenke werden geschont, höhere Sauberkeit und das Nachgehen vom natürlichen Verhalten wie grasen, ablegen und wiederkäuen), auch für den Betrieb gibt es einige Pro – Argumente. Die Kühe fressen ihr natürliches Futter und dies für weniger Kosten und Arbeitseinsatz des Landwirtes.

Das Infektionsrisiko sinkt stark und durch die bessere Vitaminversorgung wird die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Herde gefördert. 

 

Warum gibt die Kuh Milch?

Das Stichwort “Fruchtbarkeit” bringt uns dann auch zum nächsten sehr wichtigen Punkt: warum gibt die Kuh denn überhaupt Milch?

Ich habe schon die kuriosesten Antworten gehört. Von “sie bekommen dafür Medikamente” bis “sie geben von Natur aus immer Milch” war alles dabei. Kein Scherz, es gibt echt Leute die sowas denken.

Gut der Großteil der Menschheit wird wohl wissen, warum es so ist.

Die Kuh wird geschwängert. Das erste Mal zwischen ihrem 15 und 23 Lebensmonat.

Was dies genau bedeutet b.z.w was für Konsequenzen folgen, ist den meisten aber nicht bewusst...

 

Genauso wie wir ist eine Kuh 9 Monate schwanger. Und ja eigentlich genauso wie bei uns wird eben für das folgende Baby die Milch produziert um es zu ernähren und aufzuziehen.

Eigentlich...

Foto: Tobias Nordhausen / Flickr, Lizenz: CC BY 2.0
Foto: Tobias Nordhausen / Flickr, Lizenz: CC BY 2.0

Denn die für das Kalb produzierte Muttermilch mag der Mensch jetzt gerne nutzen.

Also werden Mutter und Kalb nach der Geburt getrennt.

Für beide eine schmerzhafte Erfahrung, denn normalerweise pflegen eine Kuh und ihr Kalb eine sehr enge Bindung.

Kühe sind sehr liebevolle Mütter und wechseln sich untereinander mit der Aufsicht der verspielten Kälbchen ab.

Auch wenn es zynisch klingen mag, umso früher die Trennung erfolgt, umso besser ist es zumindest für die Kuh.

Je später sie getrennt werden, umso stärker wird die Bindung zwischen Mutter und Kalb. Kühe suchen und rufen dann oft nach der aufgezwängten Trennung nach ihrem Nachwuchs.

Teilweise wochenlang... 

 

Nach der Trennung kann die Kuh nun gemolken werden. Alle 8h durch einen Melkroboter.

Kurz nach der Geburt steigt die Milchleistung stark an, erreicht nach sieben Wochen ihr Maximum und bleibt für gut zwei Monate auf hohem Niveau.

Damit sich das wiederholt, wird eine Hochleistungskuh zwei bis drei Monate, nachdem sie gekalbt hat, erneut künstlich besamt. Heißt klar ausgedrückt: während sie noch Milch für ihren Nachwuchs produziert, ist sie schon wieder schwanger. Sechs Wochen vor der nächsten Geburt wird dem Euter eine sechswöchige Erholungsphase gegönnt.

  

Nach der zweiten oder dritten Geburt sprudelt die Milch am ergiebigsten So gibt die Kuh, aufs Jahr gerechnet, das Zehn- bis Zwanzigfache ihres Körpergewichts an Milch ab.

Für den Stoffwechsel eine enorme Belastung. Besonders kurz nach der Geburt, wenn die Kuh verstärkt an ihre Fettreserven gehen muss.

Die Folge können Stoffwechselkrankheiten oder Infektionen des viel zu oft unnatürlich groß hochgezüchteten Euters kommen.

 

 

Eine Kuh produziert natürlicherweise 8 L Milch/Tag. Die Hochleistungskühe heutzutage bis zu 50 L/Tag und dies an bis zur 305 Tagen im Jahr und mehr.

Diese Leistung und die oft schlechten Haltungsbedingungen begünstigen die schmerzhaften Entzündungen.

Um dem entgegen zu wirken werden schätzungsweise 80%  der Tiere, oft auch vorsorglich, Antibiotika verabreicht.

 

 

Die Lebensbedingungen sind sehr kräftezehrend, viele Kühe magern mit der Zeit ab. Um ein Liter Milch zu erzeugen muss zum Beispiel das Euter mit einer halben Tonne Blut durchspült werden. Wenn die Kühe dann schlussendlich ausgedient haben und nicht mehr rentabel sind, “dürfen” sie zum Schlachter.

Natürlich wird stetig daran gearbeitet die sogenannte “Lebenseffektivät” weiter zu steigern. Ein schreckliches Wort wie ich finde... Bei meinen Recherchen bin ich auf folgenden Artikel dazu gestoßen: https://www.josera-rind.de/ratgeber/milchleistung/ .

Die Abgeklärtheit und die Nüchternheit wie hier über ein Lebewesen rein als Produkt gesprochen wird, hat mich schon sehr erschrocken...  

Die Folgen für die Kälber

 Aber was passiert eigentlich mit den zwecks Milchproduktion geborenen Kälbern?

 

Den meisten weiblichen Kälbern steht das gleiche  Schicksal wie ihren Müttern bevor und werden zu Milchkühen aufgezogen.

Ihre ersten 8 Lebenswochen werden sie in 133 x 90cm großen Kälberboxen/ Kälberiglus gehalten.

Gefüttert werden sie mit einer Mischung aus Wasser und Milchpulver oder Milch aus Eimern.

Bullenkälber und “überzählige” weibliche Kälber werden in der Regel an Mastbetriebe in Deutschland oder ins Ausland verkauft.

Dort werden sie für einige Wochen gemästet und schließlich geschlachtet. Europaweit stammen zwei Drittel des Kalbsfleisches von Milchviehrassen.

Hier ein LINK zu einer Doku des NDR in der gezeigt wird was mit dem "Abfallprodukt" Kalb geschieht.

 

Vielen Kälbern müssen auch die schmerzhafte Prozedur der Enthornung über sich ergehen lassen.

Laut Tierschutzgesetz sind die Amputationen eigentlich verboten und bedarf einer Ausnahmegenehmigung durch den Tierarzt. Doch das Enthornen von bis zu 6 Wochen alten Kälbern ist erlaubt, wenn der „Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder dem Schutz anderer Tiere unerlässlich ist.“

Durch den Missbrauch dieser Einzelfallregelung werden jährlich über 3 Millionen Kälber routinemäßig enthornt.

Auch auf Biobetrieben werden die Hälfte aller Kühe enthornt.

Die Prozedur ist mit großen Schmerzen verbunden, da Hörner stark durchblutete und von Nerven durchzogene Körperteile sind.

Dennoch erlaubt das Tierschutzgesetz, die Amputation der Hörner ohne Betäubung vorzunehmen.

Der Protest vieler Verbände gegen diese Praxis hat eine erste Veränderung gebracht: Seit Mitte 2015 ist die Gabe eines Beruhigungs- und Schmerzmittels beim betäubungslosen Enthornen verpflichtend.  

Lebenserwartung vs Realität

Foto: tookapic/pixabay
Foto: tookapic/pixabay

 

Milchkühe werden bis zur Schlachtung durchschnittlich 5 Jahre alt.

Die natürliche Lebenserwartung liegt bei 20 Jahren...

 

In dieser Zeit war die Kuh 3 – 4 mal schwanger. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Kühe geschlachtet, weil ihre Milchleistung nachlässt. Auch sehr junge Kühe sind darunter, die nicht auf Anhieb trächtig geworden sind oder nach der ersten Geburt zu wenig Milch gegeben haben.

 

Bislang werden auch immer mal wieder schwangere Tiere geschlachtet.

Einer Untersuchung zufolge sind das jährlich rund 180.000 Kühe in Deutschland. Bei der Schlachtung sterben die ungeborenen Föten langsam durch Sauerstoffmangel, jedoch erst nach dem Tod der Mutter.

Die Gründe hierfür können unerkannte Schwangerschaften sein, Verletzungen schwangerer Tiere, die eine weitere Nutzung ausschließen, oder gar zu teure tierärztliche Behandlungen.

Aber auch eine Schwangerschaft als Masthilfe kann nicht ausgeschlossen werden – schwangere Kühe nehmen bis zu 15 % an Gewicht zu und sind ruhiger.

 

Die oft langen Wege zum Schlachter, auch ins Ausland, sind für jeder der bis jetzt genannten Tiere, egal in welcher Verfassung, Stress pur. 

Futter

Die meisten Milchkühe bekommen hoch kalorisches Kraftfutter wie Maispflanzen, Rapsschrot und Soja gefressen.

Das Soja stammt aus Südamerika und ist in der Regel gentechnisch verändert, mit hohen Mengen an Pestiziden behandelt und in Monokulturen auf ehemaligen Regenwaldflächen aufgewachsen.

Artgerecht wäre eine Fütterung mit Heu und Gras. Ohne die Zusichnahme von Kraftfutter kann eine Kuh jedoch die von den Menschen gewünschte Leistung meist nicht erbringen.  

Heile Biowelt?

Nur rund 3 % der in Deutschland produzierten Milch stammt von Biobetrieben.

Das sind echt wenige. Und ja auch irgendwie verwunderlich. Wenn ich jedes Mal einen Euro bekommen hätte, wenn mir jemand sagt, er kaufe ja angeblich nur Bio...

Doch selbst wenn, leider werden falsche Vorstellungen bezüglich Bio - Produkten suggeriert.

 

Auch Biohöfe dürfen Anbindehaltung praktizieren. Dies sind aktuell 1/3.

Auch eine Bio Kuh gibt nur Milch, wenn sie geschwängert wurde. Also werden auch ihnen die Kälber entrissen. Und auch hier hat man für die meisten Bullenkälber keine Verwendung. Enthornung wird ebenfalls betrieben.

Und auch in der Biohaltung geht es nach durchschnittlich 5 Jahren zum Schlachter. Lediglich die Fütterung sieht hier oft artgerechter aus.

 

 

Neben dem Tierwohl, gibt es noch 2 Aspekte die der Milchkonsum negativ beeinflusst.

Die Umwelt und unsere Gesundheit.

Als Beispiel für die Konsequenzen auf die Umwelt hier mal eine kleine Rechnung:

Der CO² Ausstoß für 1kg Butterbeträgt 24.000 g CO². Im Vergleich dazu: 1kg Brot verursacht 780g CO².

Aus 22L Milch entstehen nur 5 Packungen Butter.

Und denk mal allein an die ganze Gülle die schon nur die 4,1 Millionen Milchkühe produzieren.

 

Ja und auch unsere Gesundheit profitiert nicht von einer Milchzufuhr, auch wenn es uns oft weisgemacht werden soll.

Warum sollten wir auch profitieren? Wir sind die einzige Spezies auf diesem Planeten die die Muttermilch einer anderen Spezies konsumiert. Dies ist vollkommen unnötig.  

Laktoseintoleranz oder: wir sind einfach keine Kälber

Der Konsum von Milchprodukten kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

Weltweit sind insgesamt etwa 75 % der Menschen laktoseintolerant und können den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker nicht verdauen.

Symptome einer Laktoseintoleranz können zum Beispiel Völlegefühl, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Bauchschmerzen sein. Eine Laktoseintoleranz kann lange Zeit undiagnostiziert bleiben und sich negativ auf die Gesundheit auswirken, wenn sie den Körper daran hindert, genügend Nährstoffe wie Calcium und Vitamin D aufzunehmen.

Milch und andere Molkereiprodukte zu konsumieren, kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern, da sie viel Cholesterin und gesättigte Fettsäuren enthalten.

Außerdem enthält sie die Hormone Progesteron und Östrogen und IGF - 1 (Insulin- like Growth Factor) und steht deswegen unter Verdacht, bestimmte Krebsarten wie Prostata- und Brustkrebs zu fördern.

 

Hier noch interessante neue Studienergebnisse, die vor allem werdende Eltern und die die es noch werden wollen interessieren sollte. 

 

 

Viele Leute verstehen nicht warum Veganern es nicht reicht auf Fleisch zu verzichten, kennen aber meist auch die ganzen Zusammenhänge nicht. 

Vielleicht gehörst auch du dazu und könntest dir nun ein Bild davon machen, welche verschiedenen Folgen der Milchkonsum mit sich bringt.

 

Es war noch nie so einfach wie heute Milch zu ersetzen. Es gibt viele tolle pflanzliche Alternativen.

Probiere dich einfach mal durch und schaue was dir am besten schmeckt?

Welche ist deine Lieblingspflanzenmilch? Verrate es uns und vielleicht noch vielen suchenden Menschen.

 

SANDRA

 

Quellen:

 

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