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Ei, Ei, Ei!

Die unschöne Welt der Eierindustrie


 

Was weißt du eigentlich über Hühner? Diese Frage habe ich auch mir vor Schreiben dieses Posts gestellt.

 

Bekannt war mir, dass sie nicht gerne auf einer weiten Fläche ohne Deckung leben, es lieben ausgiebige Sandbäder zu nehmen, sich stundelang mit Futter picken beschäftigen und ein ausgeprägtes Sozial- und Kommunikationsverhalten besitzen.


Bei meiner Recherche bin ich auf noch ein paar interessante Fähigkeiten und Eigenschaften von Hühnern gestoßen, die mich echt überrascht haben.

Zum Beispiel bevorzugen Hühner erhöhte Schlafplätze, wie z.B. auf einem Baum.

Wie bereits erwähnt sind sie sehr sozial. Ein Huhn kann bis zu 100 Artgenossen wiedererkennen. Kommuniziert wird über 30 verschiedene Laute und die Hennen kommunizieren sogar bereits mit ihren noch im Ei befindlichen Küken. Ebenfalls die ungeschlüpften Küken untereinander.

Forschungen ergaben beachtliche Intelligenzleistungen.

Die natürliche Lebenserwartung liegt bei 5 – 9 Jahre.

 

Aber wie sieht das Leben der Hühner in der Realität aus?

 

 Allein in Europa gibt es 180 verschiedene Rassen und Farbschläge.

Doch in der gewerblichen Eierproduktion werden sogenannte Hybridhühner eingesetzt.

Die Mast- und in diesem Fall Legehybride sind so gezüchtet, dass sie entweder besonders schnell besonders viel Fleisch ansetzten oder besonders viele Eier legen.

In einer Legeperiode (1Jahr) werden bis zu 300 Eier gelegt.

Danach sind die Hennen oft so ausgelaugt, krank und verbraucht, dass sie als Suppenhuhn zum Schlachter gehen.

In Deutschland werden jährlich über 31.000.000 Legehennen geschlachtet.

 

 

Männliche Küken, auch Brüderküken genannt, haben nach ihrem Schlupf schlechte Karten.

 

Für sie gibt es keine Verwendung. Sie legen keine Eier und setzten nur langsam und so wenig Fleisch an, dass es nicht gewinnbringend ist.

Sie werden aussortiert (das sogenannte “sexen”) und vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert.

 

Dieses Schicksal ereilt rund 50 Mio. Küken jährlich.


 

 

Wiederum “leben” 50 Mio Legehennen in Deutschland.

Das Wort “leben” habe ich bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn davon kann nicht wirklich die Rede sein.

 

Legehennen werden größtenteils unter sehr beengten und stressigen Bedingungen gehalten.

Die Hygienebedingungen sind katastrophal und aus purem Stress picken sich die Hühner oft gegenseitig blutig.

Um daraus resultierende Verletzungen einzudämmen werden die empfindlichen Schnäbel der Tiere gestutzt.

Im Schnabel sitzt der Tastsinn. Er ist durch und durch mit Nerven durchzogen. Also eine ziemliche schmerzhafte Prozedur, wie man sich vielleicht vorstellen kann.

 

Etwa 10% der Hühner sterben noch vor ihrer Schlachtung. Krankheiten wie Entzündungen an den Legeorganen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose (für die Bildung der Eierschalen wird Kalzium benötigt, dies wird oft den Knochen der Hennen entzogen) und Parasitenbefall sind weit verbreitet.

In der Fachsprache wird der Tod einer Legehenne übrigens als „Ausfall“ oder „Verlust von Produktionstagen“ bezeichnet. Als Faustregel gilt: „Passiert der Ausfall gegen Ende einer Legeperiode, hat sich der Hybrid bereits amortisiert.“ Juchuu...

 

Über 60 % der Legehybriden werden in Bodenhaltung gehalten.

 

Was bedeutet dies? Schauen wir uns mal die verschiedenen Haltungsformen hier in Deutschland an.

 

Käfighaltung (auf dem Ei mit der Nummer 3 gekennzeichnet)

Eigentlich seit dem 01.01.2010 in Deutschland verboten. Trotzdem fristen noch mehr als 8 % der Legehennen ihr Dasein in den sogenannten “Legebatterien”, bzw. in den noch bis 2025 erlaubten Kleingruppenkäfigen oder Kleinvolièren. Das Platzangebot pro Huhn beschränkt sich auf 800cm². Das ist etwas mehr als ein DIN A4 Blatt. Die Höhe des Käfigs muss lediglich 45cm betragen. Die Käfige sind in verschiedene Funktionsbereiche geteilt, können aufgrund der Enge durch die Tiere aber kaum benutzt werden. Die Böden bestehen meist aus Drahtgittern und können schwere Verletzungen und Entzündungen hervorrufen. Die meisten dieser Betriebe halten über 200.000 Käfighennen.

 

Wusstest du das?
Noch immer landen Käfigeier - auch aus dem Ausland stammend -
in verarbeiteten Supermarkprodukten, Backwaren und den Speisen
der Gastronomie. Auch die schön bunten Ostereier stammen meist
aus Käfighaltung.Diese Eier sind kostengünstiger und die Haltungsform
der Hühner muss für diese Produkte nicht angegeben werden.
Legehennen in einer Voliere; Foty by: Animal Rights Watch e.V.
Legehennen in einer Voliere; Foty by: Animal Rights Watch e.V.

 

Bodenhaltung (auf dem Ei mit der Nummer 2 gekennzeichnet)

Wie bereits erwähnt leben die meisten deutschen Hennen in dieser Haltungsform.

Klingt vielleicht erstmal fairer, doch auch hier herrscht große Enge und unnatürliche Lebensbedingungen.

Laut EU Verordnungen dürfen sich 9 Tiere 1qm2 teilen. Die Käfighöhe beträgt auch hier 45cm.

Bis zu 6000 Tiere werden in einer Gruppe gehalten.

Die Hallen sind aus Kostengründen nur zu einem Drittel mit Einstreu versehen. Der Rest besteht ebenfalls aus Draht- oder Holzgittern. Es ist erlaubt mehrere Ebenen einzubauen, sodass mehr Hennen auf der Grundfläche gehalten werden können.

 

Freilandhaltung (auf dem Ei mit der Nummer 1 gekennzeichnet)

Rund 18 % der Legehennen leben in der Freilandhaltung.

Hier herrschen dieselben Bedingungen wie in der Bodenhaltung, den Tieren wird tagsüber jedoch Freigang gewährt.

Die Auslauffläche ist leider oft (bewusst) so gestaltet, dass die Tiere diese eher ungern nutzen. Es sind zB keine Büsche oder Dächer vorhanden die als Deckung dienen. So bleiben sie meist auf relativ kleiner Fläche in Stallnähe.

Gesetzliche Mindestgröße für den Auslauf sind 4qm2 pro Tier.

 

Biohaltung (auf dem Ei mit der Nummer 0 gekennzeichnet)

In ökologischer Erzeugung leben ca. 10 % der Hybridhühner.

Diese Unterscheidet sich von der Freilandhaltung nur dadurch, dass 6 statt 9 Tiere pro qm gehalten werden dürfen und dass die Gruppengröße 3000 Tiere nicht überschreiten darf.

Auch hier werden Bruderküken nach dem Schlupf entsorgt und die Tiere gehen zum selben Schlachter.

Es ist nicht alles Gold was glänzt und dass schon gar nicht in der angeblich so fairen Bio-Haltung.

 

Eine interessante Reportage hierzu von REPORT Mainz “Die Eierlüge - wie die Eierindustrie Verbraucher austrickst”. Hier hat man auch die Möglichkeit ein Blick in die Hallen zu werfen.

 

Wie man es dreht und wendet, Hühner in der Landwirtschaft können heutzutage nicht mehr artgerecht und ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechend gehalten werden. Im Gegenteil, weiter weg kann diese “Leben” gar nicht davon sein.

 

230 Eier isst der Deutsche im Schnitt pro Jahr .Ist es das wirklich Wert?

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Ei- Ersatzprodukten zum kochen und backen, sodass man wunderbar ohne Ei auskommen könnte.  Einige davon hast du vielleicht sogar schon zu Hause. Nächste Woche stellen wir euch ein paar davon vor.

Probiere es einfach mal aus und berichte uns von deinen Erfahrungen.

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